HörTech gGmbH
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09001 / 217221*

Der Hörtest per Telefon* bietet eine einfache, anonyme und unverbindliche Möglichkeit, den Zustand des Gehörs zu überprüfen. Er ist aus dem deutschen Festnetz verfügbar. Anrufe von Mobiltelefonen werden wegen variabler Gesprächsqualität nicht angenommen. Das Screeningverfahren wurde im Rahmen des europäischen Projektes HearCom entwickelt und ermittelt, wie gut man Sprache in lärmender Umgebung verstehen kann. Das Verfahren ersetzt keine medizinische Diagnose, prüft aber das Hörvermögen in einer alltäglichen Situation und kann daher Hinweise geben, wie es um Ihr Gehör bestellt ist.

* Der Anruf aus dem deutschen Festnetz kostet 0,99 € pro Anruf. Die HörTech gGmbH darf als gemeinnützige GmbH weder Verluste noch Gewinne machen. Bei einer Gebühr von einem Euro und einer durchschnittlichen Verwendung ist der Test kostendeckend. Sollten Überschüsse entstehen, werden diese in Forschung, Prävention und Qualitätssicherung investiert.

So funktionierts

Dauer
Der „Hörtest per Telefon“ dauert nur ca. 5 Minuten.
Falls Sie beide Ohren testen möchten, müssen Sie zweimal anrufen.

Ablauf
Um den Hörtest per Telefon durchführen zu können, benötigen Sie ein Telefon mit Tonwahlverfahren. Beachten Sie, dass 0900er-Rufnummern nicht von jedem Anschluss aus erreichbar sind. Zu Beginn des Anrufs werden Sie über die Kosten für den Anruf (0,99 €) informiert.
Zu statistischen Zwecken werden im Anschluss Ihr Alter und Ihr Geschlecht erfasst. Diese Angaben müssen Sie über die Tastatur des Telefons eingeben und mit der Raute-Taste (#) bestätigen.
Dann beginnt der Test.

Der Test
Bei dem „Hörtest per Telefon“ werden mehrere zufällige Dreierkombinationen von Ziffern dargeboten. Bei jeder Darbietung hört man nach einer Ankündigung drei Ziffern und gleichzeitig ein Rauschen. Nach der akustischen Wiedergabe der Ziffern müssen diese über die Tastatur eingegeben werden. Falls alle Ziffern richtig verstanden wurden, steigt die Schwierigkeit bei der nächsten Darbietung, indem die Sprache im Vergleich zum Rauschen leiser wird. Wurde mindestens eine Ziffer falsch eingegeben, wird die nächste Darbietung wieder leichter.

Insgesamt müssen ca. 27 Zahlenkombinationen eingegeben werden. Im Anschluss
erhalten Sie das Testergebnis.

Ergebnisse
Es gibt drei mögliche Testergebnisse:
1. „Ihr Hörvermögen bei diesem Hörtest ist normal.“
2. „Bei diesem Hörtest verstehen die meisten Menschen etwas besser als Sie.“
3. „Bei diesem Hörtest verstehen die meisten Menschen deutlich besser als Sie.“
Weitere Technische Details (+)

Dieser Hörtest kann natürlich nicht alle Aspekte Ihres Hörvermögens abdecken und ersetzt keine medizinische Diagnose. Falls Sie eine weitergehende Beurteilung Ihres Hörvermögens wünschen, sollten Sie dafür einen Arzt oder Hörgeräteakustiker konsultieren.

Hörtest per Internet
Der „Hörtest per Telefon“ ist auch als Hörtest per Internet (+) verfügbar. Der „Hörtest per Internet“ ähnelt dem „Hörtest per Telefon“. Es gibt aber auch einige Unterschiede. Die wichtigsten Unterschiede sind, dass beim „Hörtest per Internet“ beide Ohren gleichzeitig benutzt werden und dass die dargebotene Sprache einen natürlicheren Klang hat.

Schwerhörigkeit kann jeden treffen

Hörprobleme sind weit verbreitet. Mit mehr als 15 Millionen Betroffenen ist Schwerhörigkeit in Deutschland längst eine Volkskrankheit. Europaweit leiden nach Schätzungen der Universität Maastricht mindestens 60 Millionen Menschen unter Hörproblemen. Das britische Institute of Hearing Research geht sogar von einem Anstieg auf 80 Millionen aus. (Quelle: Forum Besser Hören 2008).
In zahlreichen Fällen erfolgt die Diagnose erst viele Jahre später, nachdem der Hörverlust eingetreten ist.
Das führt leider dazu, dass die Betroffenen lange mit der Beeinträchtigung ihrer Kommunikationsfähigkeit leben und bei der Anpassung eines Hörsystems oft mit den ungewohnt gewordenen Klängen der normalen akustischen Umwelt nichts mehr anfangen können.

Weitere Informationen zum Thema Hören und Schwerhörigkeit finden Sie auf der HearCom-Homepage.

Initiatoren

HörTech gGmbH

Die HörTech gGmbH ist als Kompetenzzentrum für Hörgeräte-Systemtechnik 1999 als Bundessieger aus einem Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung hervorgegangen. Die Beschäftigungsbereiche des Kompetenzzentrums, umfassen Forschung, Aus- und Weiterbildung und Produktion im Bereich des Hörens.

Dabei führt HörTech vorwettbewerbliche Forschungsprojekte durch, veranstaltet Seminare und Fortbildungen in den Bereichen Hörforschung und Audiologie und vertreibt Produkte, die in Forschungsprojekten entstanden sind. Die nationale und internationale Zusammenarbeit mit auf ihren Gebieten führenden Projektpartnern wird bei HörTech groß geschrieben. So ist auch der „Hörtest per Telefon“ aus einem von der Europäischen Union geförderten Projekt entstanden, bei dem auch in anderen europäischen Ländern ähnliche Tests eingeführt wurden bzw. in Planung sind.

Die Gesellschafter von HörTech sind das Hörzentrum Oldenburg GmbH und die Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg.

Als gemeinnützige GmbH werden Überschüsse des Unternehmens wieder in gemeinnützige Projekte investiert. Weitere Informationen unter www.hoertech.de.

HearCom

HearCom steht für Hearing in the Communication Society und bedeutet auf deutsch Hören in der Kommunikationsgesellschaft.

Unsere Gesellschaft ist schon jetzt hochgradig kommunikationsorientiert und wird es noch immer mehr. Da ein Großteil der Kommunikation über Schall und Sprache abläuft, erfahren viele Menschen schwerwiegende Einschränkungen, falls sie unter Störungen des Gehörs leiden oder ungünstigen Umweltbedingungen ausgesetzt sind. Das Ziel des EU-geförderten Projektes HearCom ist es, Einschränkungen in der auditorischen Kommunikation zu verringern. Dieses Ziel soll durch Bündelung des europäischen Expertenwissens in den Bereichen Audiologie, Akustik und Sprachtechnologie und Informations- und Kommunikationstechnik erreicht werden. HearCom möchte das vorhandene Wissen strukturieren, neues Wissen zusammentragen und dieses Wissen für verschiedene Gruppen zugänglich machen.

Hintergrund

Die ursprüngliche Idee zum Telefontest hatten Cas Smits, Theo S. Kapteyn und Tammo Houtgast aus den Niederlanden. Dort gibt es einen öffentlich zu erreichenden Telefontest seit 2003 (Veröffentlichungen: Smits 2004, Smits 2006)
In Großbritannien ist ein Zahlentripeltest per Telefon seit Ende 2005 zu erreichen. In der Schweiz gibt es einen ähnlichen Test, der mit einem Schweizer Sprecher aufgenommen ist.
Ein vergleichbarer Test für Schweden ist in Entwicklung. Auch eine französische und polnische Version sind in Planung.

Literatur

Forum Besser Hören 2008: Internetseite www.forumbesserhoeren.de vom 21. März 2008

Buschermöhle (2009): Buschermöhle M, Berg D, Pelz C, Wagener KC und Kollmeier B (2009) Der Hörtest per Telefon in Deutschland - Zwischenbilanz nach einem halben Jahr. DGA 12. Jahrestagung Innsbruck 2009, Tagungs-CD, ISBN 3-9809869-9-3. PDF-Download

HearCom 2006: Wagener KC, Kollmeier B, Vormann M und Berg D (2006) First version of Internet screening tests in three languages (Final report and demonstrator). Öffentlicher Bericht des Forschungsprojektes HearCom (D-1-4b)

Smits 2004: Smits C, Kapteyn TS und Houtgast T (2004) Development and validation of an automatic speech-in-noise screening test by telephone. Int. J. Audiol. 43, 15-28.

Smits 2006: Smits C, Merkus P und Houtgast T (2006) How we do it: The Dutch functional hearing – screening tests by telephone and internet. ClinicalOtolaryngology, 31, 436-455

Wagener 2005: Wagener KC, Eeenboom F, Brand T und Kollmeier B (2005) Ziffern- Tripel- Test: Sprachverständlichkeitstest über das Telefon. DGA 8. Jahrestagung Göttingen 2005, Tagungs-CD, ISBN 3-9809869-4-2. PDF-Download

Wagener 2006: Wagener KC, Bräcker T, Brand T und Kollmeier B (2006) Evaluation des Ziffern-Tripel-Tests über Kopfhörer und Telefon. DGA 9. Jahrestagung Köln 2006, Tagungs-CD, ISBN 3-9809869-5-0. PDF-Download

Technische Details

Der Telefontest ist ein Sprachtest im Störgeräusch. Seine Ergebnisse sind nahezu unabhängig vom Darbietungspegel. Da Schwerhörende sehr häufig gerade mit dem Verstehen von Gesprächen im Alltag Schwierigkeiten haben, bietet sich ein Sprachtest im Störgeräusch für einen Screening-Test an. Ziffern sind aus verschiedenen Gründen als Sprachmaterial ausgewählt worden: sie sind sehr geläufig; sie ermöglichen vielfache Testwiederholungen, weil man sich die Ziffernabfolgen nur schwer merken kann; und sie ermöglichen einen automatischen Testablauf über die Telefontastatur (Smits, 2004).

- Der Test läuft adaptiv ab: Das Störgeräusch hat immer den gleichen Pegel, und der Pegel des Sprachsignals wird bei einer falschen Antwort erhöht und bei einer richtigen Antwort verringert. Der Signal-Rausch-Abstand ändert sich daher im Verlauf des Tests so, dass man schließlich nur noch in etwa der Hälfte der Fälle richtig antwortet (nur wenn alle drei Ziffern richtig wiederholt werden, zählt dies als richtige Antwort). Für jede Darbietung wird das aktuelle Verhältnis von Sprachpegel zu Signalpegel gespeichert. Der Mittelwert dieser Werte für die letzten Darbietungen stellt die sogenannte Sprachverständlichkeitsschwelle im Störgeräusch für Zahlentripel dar (HearCom, 2006). Je nach ihrem Wert wird dann die Ergebnisansage des Tests bestimmt.

- Aus einer Evaluationsstudie (Wagener, 2006) ging hervor, dass Normalhörende bei dem deutschen Telefontest eine mittlere Sprachverständlichkeitsschwelle von -6,4 dB SNR erreichen (dB steht für die Maßeinheit Dezibel; SNR ist die Abkürzung für das englische „Signal to Noise Ratio“ und bezeichnet einen Signal-Rausch-Abstand). Die interindividuelle Standardabweichung lag bei 0,7 dB. Wenn die bei dem Telefontest ermittelte Sprachverständlichkeitsschwelle bis zu 2 dB oberhalb dieses Mittelwertes liegt, dann wird das Ergebnis „Ihr Hörvermögen bei diesem Hörtest ist normal.“ wiedergegeben. Falls man mit einer Sprachverständlichkeitsschwelle 2 dB bis 4 dB oberhalb des Mittelwerts abschneidet, dann wird das Ergebnis „Bei diesem Hörtest verstehen die meisten Menschen etwas besser als Sie.“ wiedergegeben. Bei noch höheren Sprachverständlichkeitsschwellen wird das Ergebnis „Bei diesem Hörtest verstehen die meisten Menschen deutlich besser als Sie.“ wiedergegeben. Diese Werte beziehen sich ausschließlich auf den deutschen „Hörtest per Telefon“ und sind für den „Hörtest per Internet“ abweichend.

- Das Störgeräusch wurde aus dem Sprachmaterial (den Zahlentripeln) durch 30-fache Überlagerung mit zufällig eingefügten Pausen variabler Länge erzeugt. Dieses Störgeräusch verdeckt die zu verstehenden Zahlentripel optimal und ermöglicht daher eine präzise Messung (Wagener, 2005).

Datenschutz

Uns ist die Wahrung Ihrer Privatsphäre bei der Verarbeitung persönlicher Daten ein wichtiges Anliegen.

Personenbezogen werden bei einem Anruf nur Alter und Geschlecht gespeichert. Es werden aber auch Datum, Uhrzeit, Sprachverständlichkeitsschwelle und der Testverlauf gespeichert. Die Telekom speichert Datum, Uhrzeit und die um drei Ziffern verkürzte Version der Telefonnummer des Anrufers. Nur die HörTech gGmbH kann auf die gespeicherten Daten zugreifen. Die Daten werden zur statistischen Auswertung benutzt. Anrufstatistiken können auf der Internetseite veröffentlicht werden oder zu wissenschaftlichen Zwecken von der HörTech gGmbH verwertet werden.

 

Technische Abwicklung des Telefontests: CommDoo GmbH